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Dr. Harald Haury leistet mit seinem in 2005 veröffentlichtem Buch „Von Riesa nach Schloss Elmau“ (Gütersloher Verlagshaus, „Religionskulturen der Moderne“, Hrsg, Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Graf) nicht nur einen unverzichtbaren Beitrag zur Geschichte von Schloss Elmau, sondern auch zum Verständnis der großen Affinität des deutschen Protestantismus mit teilweise bis heute noch politisch relevanten Idealen und Feindbildern der Volksgemeinschaft.
Während des Dritten Reiches gelang es Johannes Müller wohl als einzigem Deutschen, öffentlich den Antisemitismus und Biologismus der Nazis zu verurteilen und sich für Juden als Juden und Deutsche einzusetzen sowie in gleichem Atemzug Hitler als den von Gott gesandten Führer einer nationalen Revolution des Gemeinsinns wider den Eigensinn zu idealisieren und auch von seinen jüdischen Freunden Gefolgschaft einzufordern. Dies führte erst zu Beschlagnahmungen entsprechender Schriften und schließlich zum Verbot jeglicher Vortragstätigkeit und Publikationen.
Um einer unmittelbar bevorstehenden Beschlagnahmung durch die SS zuvorzukommen, wurde Schloss Elmau 1941 an die Wehrmacht als Fronterholungsheim verpachtet. 1945 wurde Johannes Müller, der wie seine Kinder kein Parteimitglied war, in einem Entnazifierungsverfahren aufgrund seiner „Verherrlichung von Hitler in Wort und Schrift“, der insbesondere wegen seines gleichzeitigen Eintretens für Juden, aber auch aufgrund seines hohen moralischen Ansehens und seiner großen Bekanntheit eine verstärkte Wirkung zugeschrieben wurde, als Hauptschuldiger verurteilt. Johannes Müller sah sich und sein Lebenswerk als vollkommen gescheitert und wollte sich nicht verteidigen. Er starb 1949.
Schloss Elmau wurde beschlagnahmt, kurze Zeit als Lazarett der US Armee und bis 1951 von dem Staatskommissar der Bayerischen Regierung für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, Dr.Phillip Auerbach, als Erholungsheim für TB-Kranke, Displaced Persons und Überlebende des Holocaust geführt.Nach der Verhaftung von Phillip Auerbach wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in dem von ihm als Generalanwalt geführten Landesamt für Wiedergutmachung (Auerbach beginn nach seiner Veurteilung 1952 Selbstmord und wurde 1954 von einem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtages in vollem Umfang rehabilitiert) wurde Schloss Elmau ab 1951 treuhänderisch von zweien der elf Kinder von Johannes Müller, Bernhard Müller und seiner Schwester Sieglinde Mesirca, vom Bayerischen Staat gepachtet und von Dr. O. Mesirca als Hoteldirektor geleitet. Erst nach Abschluss des Revisionsverfahrens gegen das Urteil der Spruchkammer gegen Johannes Müller wurden Bernhard Müller und Sieglinde Mesirca zu je 50% zu Eigentümern von Schloss Elmau.
In den folgenden Jahrzehnten machte sich Schloss Elmau unter Mithilfe von Künstlern wie Benjamin Britten, Yehudi Menuhin, Amadeus Quartett, Melos Quartett, Wilhelm Kempff, Herman Prey, Friedrich Gulda, Gidon Kremer und Thomas Quasthoff um nur einige zu nennen, vor allem als Mekka der Kammermusik weltweit einen großen Namen. Bundespräsident Johannes Rau und Loriot sowie unzählige andere bekannte Persönlichkeiten zählten seit Ende der fünfziger Jahre zu den Stammgästen.
Seit 1997 wurde Schloss Elmau von Dietmar Müller-Elmau komplett renoviert und in der Abkehr vom alten Ideal einer „Freiheit vom Ich“ mit dem vormals dämonisierten, amerikanisch geprägten Ideal einer „Freiheit für das Ich“ als Spa & Cultural Hideaway für Individualisten neu positioniert. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Schloss Elmau sowie der deutschen Ideen- und Kulturgeschichte, Theologie und Philosophie sowie der unheilvollen Verschränkung von Relgion und Politik (Politischer Theologie) in weltpolitischen Fragen wurde zu einem zentralen Thema im kulturellen Leben von Schloss Elmau.
Der kulturelle Kalender wird seitdem nicht mehr nur von Kammermusik, sondern gleichermaßen von Jazz, Literatur und politischen Debatten sowie zahlreichen Edutainment-Kultur Veranstaltungen für Kinder geprägt.
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